Künstlerische Arbeit

Basierend auf Somatik, Improvisation, Performance & künstlerischer Forschung entwickle ich ästhetisch-choreografische Formate für körperorientiertes Handeln - drinnen & draußen.

Meine choreografischen Arbeiten sind geprägt von meiner Ausbildung in Zeitgenössischem Tanz, Choreografie, Improvisations-Strategien und der Feldenkrais Methode, sowie von der langjährigen Erfahrung in Body-Mind-Centering, Continuum, Atemarbeit nach Middendorf, Tai Chi/Qi Gong und Yoga. Neben klassischen Bühnen-Performances liegt mein Arbeitsschwerpunkt in der Entwicklung von choreografisch-ästhetischen Formaten, die den Übergang zwischen Alltäglichem und Choreografischem untersuchen. Choreografisch-performativ erforsche ich dabei die Erfahrung, Aneignung und Gestaltung von urbanen und natürlichen Umgebungen.

Mein Interesse gilt der Entwicklung von geteilten, ästhetischen Erfahrungs- und Wissensräumen, in denen das Publikum im Sinne von Teilhabe aktiv oder zumindest aktiv-rezeptiv involviert ist. Inhaltlich verfolge ich eine philosophisch-phänomenologische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Sinnstiften. Ein aktuelles Beispiel dafür bildet das Duett UNORDNEN (2022) in Zusammenarbeit mit Susanne Mueller Nelson, in dem wir uns mit dem Prinzip des Strauchelns befassen: mit dem Herausgefordert-Sein in Momenten, in denen nicht gleich eine Lösung greifbar ist und ein Probieren beginnt.
Ich arbeite vorzugsweise über lange Zeiträume an der Vertiefung von Thematiken, sodass Inhalte auf verschiedene Weisen ihren künstlerischen Ausdruck finden. Das Thema Geschichten und Geschichte taucht zum Beispiel in dem Stück Kein Plan-Kein Zufall (2010) als Auseinandersetzung mit meiner Familiengeschichte und der Geschichte des deutschen Ausdruckstanzes auf.  Im Performance-Zyklus GEHEN TransAlpin (2012) habe ich bei einer Langstreckenwanderung über die Alpen Geschichten von Menschen gesammelt, denen ich unterwegs begegnet bin, und diese in einer Performance-Installation zu einem getanzten Reisetagebuch verwoben. Gleichzeitig ist GEHEN TransAlpin eine der ersten Arbeiten im Rahmen meiner Auseinandersetzung mit dem Gehen als choreografische Praxis.

Zur Befragung, Erprobung und Entwicklung meiner Arbeitsweisen, Formate und Inhalte kooperiere ich immer wieder in künstlerischen Forschungsgruppen mit: u.a der Forschungsgruppe Ästhetische Praxis und Verkörperung, der Gruppe Bergrecherche und AREAL_Artistic Research Lab. Auch kollegialer Austausch, kollaborative Präsentationen und Unterrichtsformate u.a. mit Prof. Dr. Gabriele Brandstetter, Hamish Fulton, Martin Nachbar, Ludger Orlok und Ingo Reulecke sind Teil meiner kontinuierlichen künstlerischen Arbeitsweise.

Seit 2010 entwickle ich choreografische Formate zum Thema Gehen, was eine Weiterführung der Auseinandersetzung mit dem Thema Teilen und Teilhabe aufgreift und weiterführt. So habe ich u.a. mit dem Zyklus PankePerformance (2011) mit der Gruppe Bergrecherche und der Präsentation Im Gehen mit Ralph Fischer beim Tanzkongress 2013 Performance-Spaziergänge entworfen, bei denen das Publikum erfahrende Mitgeher:innen waren. Mit der Geh-Performance Invitation to Walk (2014) habe ich begonnen mit vor-aufgenommenen Texten und Instruktionen das Publikum zu gehenden Performer:innen werden zu lassen. Dieses Prinzip habe ich mit den Invitation to Walk Podcasts (2021) und mit SCHRITTWEISE (2022) aus dem Theaterraum in den Stadtraum verlagert.

Ich begehe sehr unterschiedliche Räume und Umgebungen - drinnen und draußen, Theaterräume und alltägliche Räume, große und kleine, Stadt- und Naturräume. Jeder Raum bringt aufgrund seiner Ästhetik, Geschichte, gesellschaftlichen und individuellen (Be-)Deutung ganz Unterschiedliches in den Vordergrund des Erlebens und erfordert differenzierte Einlassung. Mit der Art und Gestaltung meiner Formate eröffne ich Handlungs- und Wahrnehmungsvariationen über das Gewohnte hinaus.
Ein wesentlicher Teil meiner künstlerischen Arbeiten ist die kritische Reflexion und Kontextualisierung im Rahmen von Veröffentlichungen und Konferenzpräsentationen. Darin lege ich einen besonderen Fokus auf die Verbindung von somatischem Wissen, künstlerischem Handeln und Performativität. Beispiele dafür ist der Artikel Verstehen verstehen (2016) und die daraus entwickelte Lecture Performances understanding understanding (2017) und Im-Gehen-Verstehen (2019/20), sowie die Mit-Herausgabe (Kampe/McHugh/Münker) des Journal of Dance and Somatic Practices Vol 13.1 & 2 zum Thema Embodying eco-consciousness: Somatics, aesthetic practices and social action.

Die Stadt-Spaziergangs-Podcasts Invitation to Walk (2021) waren speziell auf eine von meiner Präsenz unabhängige Verbreitung von somatisch-choreografischer Geh-Praxis angelegt und eine damit verbundenen Subversivität. Eine Vision für diese Arbeit war eine graswurzelartige Verbreitung von ungewöhnlichem und gleichzeitig friedlichem Verhalten in der Stadt. Darüber hinaus reizte mich die Entwicklung einer somatisch-philosophischen Erzählkunst, die Poetisches und Informatives verwebt mit der Begleitung in die gespürte Erfahrung bis hin zu choreografischen Experimenten.
Das Kollektiv-Choreografische, das aus solchen Körper-Wahrnehmungs-basierten Erkundungen entstehen kann, war Schwerpunkt der partizipativen Geh-Performance SCHRITTWEISE Stadt Choreografieren (2022) in Kooperation mit der Tanzfabrik Berlin im Lustgarten.

Neben partizipativen Performances basierend auf dem Gehen, entwickle ich Tanz-Stücke, die somatisch-choreografische Strategien nutzen. Im Juni 2022 hatte die Performance UNORDNEN in Kooperation mit Susanne Mueller Nelson in Biel Premiere. Ausgehend von improvisatorischen Antworten auf Widerfahrnis-Momente nähern wir uns in dieser Arbeit der Auseinandersetzung mit verkörpertem Verstehen und Sinnstiften.

Insgesamt liegt mir eine weitgefasste Zugänglichkeit und Verfügbar-Machung meines somatisch-choreografischen Wissens am Herzen. Dafür reflektiere ich immer wieder aufs Neue meine Annahmen, Vermittlungs- und Kommunikations-Strategien und künstlerischen Umsetzungen.


 








                                                                                                                                  Foto auf dieser Seite: K. Münker